Feuerritual
Dürrenstein 2015
Asindi Rex We
Mural (|dq|Wandmalerei|dq|)
Carlos Moran Ical

Geschichten der Hebammen

 

  Silvia Ramos

ROSARIO ICAL übt seit 40 Jahren ihre Gabe Hebamme zu sein aus

Rosario Ical, seit 40 Jahren Hebamme

Sie initiierte sich als Hebamme aus der Not heraus, da bei ihrer  zweiten Schwangerschaft die Hebamme nicht rechtzeitig kam, um  sie zu bei der Geburt zu betreuen – deshalb blieb ihr nichts Anderes  übrig, als sich selbst zu entbinden. Ihre Hebamme befand sich zu diesem Zeitpunkt dem Dorf Chiquiwital, und betreute eine andere Geburt! Diese Gemeinschaft ist eineinhalb Stunden Fußmarsch von El Naranjo weg, wo Doña Rosario Ical lebt. Glücklicherweise konnte sie sich gut erinnern wie sie von ihrer Hebamme bei der Geburt ihrer ersten Tochter Otilia Pacay Ical betreut wurde, die  heute schon 43 Jahre alt ist.

Sie erinnert sich mit Lächeln daran, wie sie selbst begonnen hat, Hebamme zu sein – indem sie sich selbst betreute...es war die Geburt ihres Sohnes Ricardo Pacay Ical, der heute 40 Jahre alt ist. Ein anderer Aspekt, an den sie sich mit Freude erinnert sind die Geheimnis enthüllenden Träume, die sie hatte: sie träumte, dass ihr Blumen in verschiedenen Farben geschenkt wurden. Das ist mit der „Gabe“ verbunden, und bedeutete, dass sie Mädchen und Jungen in die Welt helfen würde. Davor träumte sie, dass sie verschiedene heilige Mayaritualplätze mit Bögen verzierte – das sind die Orte wo der Dialog mit dem Göttlichen gepflegt wird. 

In Maya Poqomchi’ heisst das “Xoy”, und ist eine große Opfergabe um für das Leben einer ganzen Familie oder eines ganzen Dorfes zu danken. Die Bögen werden aus bunten Blättern gefertigt, mit Mais in den vier heiligen Farben geschmückt und mit Früchten der Saison verziert.

Heute zu Tage werden dies Blumenopfer und Kerzen an verschiedenen heiligen Plätzen fortgeführt, die es in den Mayagemeinschaften gibt. Doña Rosario lebt nun in dem Ortsteil Vista Hermosa von San Cristóbal Verapaz und ist sehr stolz darauf, Maya zu sein. In Bezug auf die Frage, wie viele Geburten sie wohl schon betreut habe, sagte sie, dass es wohl pro Jahr 60 Mädchen und Jungen sein würden – aber sie konnte sich nicht an die genaue Zahl erinnern, da in der Kultur der Maya andere Faktoren wichtiger sind als die Quantität.

 

SILVIA RAMOS HERRERA, ist seit 22 Jahren Hebamme

Silvia Ramos
Silvia Ramos, seit 22 Jahren Hebamme

Sie ist aus Chepenal, wo die Wege alle aus Stein und Lehm sind, deshalb ist es in der Regenzeit besonders schwierig die Ortschaften zu erreichen. Es sind oft mehr als vier Stunden steiler Fußmarsch, um die Dörfer Panch’upaq oder Navidad und El Cedral zu erreichen, wo sie die Geburten betreut. 

Sie initiierte sich als Hebamme, als sie ihre Cousine Olivia Caal begleitete. Sie musste zum Haus der Hebamme gebracht werden, aber durch die weiten Wege zwischen den Siedlungen und die Distanzen zwischen den Dörfern, kam das Baby auf dem Weg zu Welt! Niemand der anderen Personen getraute sich, zu helfen – nur Silvia. So begann sie also Hebamme zu sein, und die anderen Leute die das mitbekamen erzählen von ihrem Mut und Können. Ohne sich dessen bewusst zu sein, begann sie von diesem Moment an mir ihrer Arbeit – denn als sie in ihr Dorf zurückkam, wussten bereits alle dass sie nun Hebamme war.

Auf die Frage hin, ob sie irgendwelche Anzeichen vor dieser Begebenheit bemerkte, sagte auch sie, dass sie häufig von verschiedenen bunten Blumen träumte. Im Besondern Blüten von Margeriten, Tuberosen und einige andere Arten. Sie erzählt auch, dass sie bis heute durch Träume erfährt, wann wo das nächste Kind geboren wird – dann träumst sie von sich öffnenden Knospen und weiß, zu welcher Frau sie eilen muss.Um dieses komplexe System von “Avisos - Benachrichtigungen” zu verstehen, muss sie sich ihrer Träume gewahr sein, die Körpersignale beachten und auch ihre Träume interpretieren können. “Das ist sehr praktisch, denn es ist ein uraltes System der Vorfahren, und es hilft mir da ich mich so vorbereiten kann und alles zur Hand habe, was ich brauche“, kommentiert Doña Silvia. 

Bezüglich der Anzahl der betreuten Geburten, kann auch sie keine genaue Zahl nennen, da sie nicht Buch darüberführen. Die größte Freude und Ehrerbietung für die Hebammen aber ist es, zu hören wie sie in den Dörfern „Großmutter“ genannt werden – die alte Weise – obwohl sie nicht eigentlich zu den Familien gehören. “Qati’t” bedeutet “unsere Großmutter”… auf diese Weise werden die Hebammen von den Menschen geehrt, deren Geburt sie betreut haben.


  

30. Oktober 2016 comunidadrexwe Deja un comentario